Studie über Corporate Blogs
Archiv vom Januar, 2010
Leser erwarten sich von Blogs ganz spezifische Infos, wie die Ergebnisse der Blogstudie 2007 erhobenen Nutzungsmotive bestätigen:

Die Blogstudie wurde 2007 von der Universität Leipzig unter Leitung von Prof. Ansgar Zerfaß erstellt.
Technorati unterscheidet in der aktuellen Studie “State of the Blogosphere” drei Typen von Bloggern, die sich aber nicht gegenseitig ausschließen, wie die untenstehende Grafik zeigt:

Dr. Stefan Hagen ist selbstständiger Projektmanager und Managementberater. Der Geschäftsfüher von Hagen Management mit Sitz in Lustenau publiziert erfolgreich als Autor des Projektmanagement Blogs und des Projektmanagement Handbuchs. Zudem ist Stefan Hagen externer Lehrbeauftragter für Projektmanagement an der Fachhochschule Vorarlberg und Dozent an diversen weiteren Bildungseinrichtungen.

Was war Ihre Motivation mit dem Bloggen im Unternehmen zu beginnen?
Es war keine bewusste oder geplante Entscheidung, sondern eine spontane Idee (vor 3,5 Jahren). Entsprechend stand am Beginn auch keine besondere Motivation oder Erwartungshaltung.
Welche Chancen bietet Ihrer Meinung nach der Einsatz von Corporate Blogs für Ihr Unternehmen?
Grundsätzlich sind Blogs sicher eine Möglichkeit, verhältnismäßig viele Menschen zu erreichen und mit manchen von ihnen in einen Dialog zu treten. Bei Corporate Blogs besteht allerdings die besondere Herausforderung, dass die Inhalte nicht „anonym“ und langweilig rüber kommen.
Die Chancen von Corporate Blogging sind meines Erachtens:
- Steigerung des Bekanntheitsgrades des Unternehmens.
- Höhere Trefferquote in Suchmaschinen – implizites SEO.
- Dialog mit Kunden und anderen Stakeholdern → emotionale Bindung an das Unternehmen.
- Möglichkeit, relevantes Know-How des Unternehmens wesentlich breiter und auch qualitativer zu kommunizieren (da sich Leser/innen mit für sie relevanten Inhalten intensiv auseinander setzen).
Was sind Erfolgsfaktoren für Corporate Blogs?
- Die Menschen, die hinter den Inhalten stehen, sollten transparent werden. Inhalte müssen mit Personen verbunden werden.
- Authentische, relevante und nicht zu „werbliche“ Inhalte. Die Texte sollten im besten Fall einen unmittelbaren Nutzen und Mehrwert für die Leser/innen bieten.
- Nicht zu „geplant“ und „strategisch“ an die Sache heran gehen, denn dann fehlt automatisch die notwendige Authentizität und „Lockerheit“. Experimentieren, Lust zum Bloggen entwickeln, einfach TUN.
Nennen Sie bitte drei österreichische Corporate Blogs, die Sie persönlich gerne besuchen?
Ich lese derzeit keine Corporate Blogs, sondern fast ausschließlich Blogs von Privatpersonen oder Freiberuflern.
Bernhard Lehner ist bei der “Start-Up-Factory” i5invest mit Sitz in New York, Wien und Salzburg für die Bereiche “Marketing & PR Europe” verantwortlich. Zuvor beratete der Kommunikationsprofi Unternehmen wie Apple, Samsung, Motorola, Ikea oder Cisco. Im Interview erzählt Bernhard Lehner, warum es sich für die Startups 123people, Tupalo, Dealhamster, tripwolf & Co. lohnt, Corporate Blogs zu führen.

Was war Ihre Motivation mit dem Bloggen im Unternehmen zu beginnen?
Die normative Kraft des Faktischen, könnte man sagen. Ein Startup-Unternehmen ohne Corporate Blog wäre per se etwas Eigenartiges.
Aber natürlich gibt es auch objektive Argumente für unsere Corporate Blogs:
- Schneller und einfach zu bedienender Kommunikationskanal nach draussen.
- Perfektes Dialog-Instrument: nie war es einfacher, unmittelbar in Kontakt mit Usern, potenziellen Usern, Kritikern, Partnern etc. zu kommen und einen Dialog zu beginnen.
- Das Blog gibt uns die Möglichkeit, Dinge zu sagen, für die wir ansonsten in dieser Form so nicht kommunizieren würden: direkter, persönlicher, relativ frei von engen Corporate Communications Beschränkungen. Das Corporate Blog ist sowas wie das “Frühstück bei mir”-Radioformat für das Unternehmen. Der Blick in die Seele oder hinter die Kulissen wird frei. Das Unternehmen öffnet sich (wenn es das will), wird transparenter, sympathischer, kommunikativer.
Welche Chancen bietet Ihrer Meinung nach der Einsatz von Corporate Blogs für Ihr Unternehmen?
Das Blog vervollständigt die Corporate Communications Strategie.
Was sind Erfolgsfaktoren für Corporate Blogs?
Auch bei Multiautoren Blogs gilt: je besser der individuelle Blogger (Stil, Persönlichkeit, Polarisierungs-Wille), desto interessanter wird das Blog.
- Regelmäßigkeit & Aktivität
Jedes Blog stirbt, wenn sich nicht jemand dafür verantwortlich fühlt. Also nicht nur Postings schreibt, sondern in der Blogosphere mitliest, Kommentare hinterlässt, Blog-Marketing macht – schlicht, den Laden am Laufen hält.
- Keine Angst vor User-Feedback!
Wer Angst vor den Kommentaren der Leser hat, sollte es bleiben lassen. Bloggen ist Dialog, nicht Monolot. Kommentar, vor allem oder gerade die kritischen, sind wertvolles User-Feedback. Es sollte nicht nur akzeptiert, sondern eingefordert werden.
Nennen Sie bitte drei österreichische Corporate Blogs, die Sie persönlich gerne besuchen?
Offen gestanden lese ich keine österreichischen Corporate Blogs – entweder sind sie schlecht, oder einfach gar nicht in meinem Interessensbereich.
Spreadshirt ist nicht nur Marktführer für individuell bedruckte Bekleidung, sondern zählt in Europa auch zu den Web-2.0-Vorzeigeunternehmen. Andreas Milles ist Verantwortlicher für den Bereich Brand & Communication bei Spreadshirt. Im Interview spricht mein ehemaliger Chef, was sich seit dem Launch des Corporate Blogs im Juni 2006 getan hat.

Was war Ihre Motivation mit dem Bloggen bei Spreadshirt zu beginnen?
In erster Linie der direkte, ungefilterte Kontakt zu Kunden und Partnern. Darüber hinaus ist ein Blog als Kommunikationskanal sehr günstig (=kostenlos) und schnell eingerichtet. Ansonsten war nicht unbedingt eine große Motivation notwendig, um die Vorteile eines Blogs zu erkennen. Es passt zu uns, zu unserer “DNA” und Kultur – da wir bei Spreadshirt ja auch gewisse Überschneidungen sehen: ähnlich wie mit Blogs, Facebook, Twitter etc. geht es bei Spreadshirt darum, seine Meinung, seine Message auf das Medium T-shirt zu bringen.
Welche Chancen bietet Ihrer Meinung nach der Einsatz von Corporate Blogs für Ihr Unternehmen?
Wir können unseren Lesern einen Blick hinter die Kulissen anbieten, dadurch Distanz und Vorbehalte abbauen. Ziel und Chance ist es eindeutig, für seine Fans verfügbar zu sein, und für die Öffentlichkeit glaubhafte und authentische Einblicke zu gewähren.
Was sind Erfolgsfaktoren für Corporate Blogs?
Hmm, in erster Linie relevante Inhalte in einer hohen Regelmäßigkeit. Um es etwas ausführlicher zu formulieren:
- Frequenz. Ohne Frequenz keine (Stamm)Leser.
- Ein klares Gesicht und Profil: was erwartet die Leser, was sind die Themen, die man im Blog findet?
- Dialogbereitschaft & ein Blick über den Tellerrand. Auch wenn das teilweise Mut und ein wenig Geschick erfordert, da man dadurch verpflichtet ist, “360° Kommunikation” zu betreiben (z.B. auch schlechte Nachrichten proaktiv zu kommunizieren, Artikel so zu verfassen, dass Raum für Feedback und Anregungen sind)
- Die Einsicht, dass es eine Reihe von Partnern und Kunden gibt, die mindestens genauso viel Ahnung vom eigenen Produkt haben.
- Die Einsicht, dass Vorgänge und Zusammenhänge innerhalb eines Unternehmens für andere interessant sind – und dass die Offenheit eine Chance ist, glaubwürdig zu ein und wahrgenommen zu werden (was ja besonders kritische Faktoren sind – die Glaubwürdigkeit eines Corporate Blogs dürfte gefühlt noch unter der eines Tabloids liegen, und wahrgenommen wird ein Corporate Blog meist dann, wenn man einen Coupon sucht oder als Kunde verärgert ist)
- Dass mindestens 30% der Mitarbeiter bloggen können und jeder etwas spannendes zu erzählen hat.
Nennen Sie bitte drei Corporate Blogs, die Sie persönlich gerne besuchen?
Im Grunde trenne ich nicht unbedingt zwischen “Corporate” Blogs und “normalen” Blogs. Gut gemachte Blogs, die unter einem Unternehmensdach betrieben werden, finde ich:
Danke für das Interview!
Die Raiffeisen Bank Lustenau war die erste bloggende Bank in Österreich. Andreas Liebhart startete im Juni 2008 mit dem Unternehmens-Weblog. Im Interview spricht er über die Idee und die Erfolgsfaktoren ihres Corporate Blogs.

Was war Ihre Motivation mit dem Bloggen im Unternehmen zu beginnen?
Die ursprüngliche Intention war, unsere Unterstützung für die lokalen Vereine und Organisationen besser zu kommunizieren. Wir hatten in einer Kundenumfrage gesehen, dass wir unsere Aktivitäten in diesem Bereich noch besser bekannt machen müssen. Nachdem wir uns für ein Blog als Medium entschieden hatten, ist das Spektrum der Beiträge noch weiter geworden. Unsere Beiträge gliedern sich in 5 Kategorien:
1) Partner: Das ist eine Plattform für die Partner, die wir im Rahmen unseres Mit.Einander Programmes unterstützen. Folgendes wird zu finden sein: Vorstellung von Vereinen und Organisationen, Ankündigung von Veranstaltungen sowie Berichte über Ehrungen und Preisverleihungen.
2) Über uns: Wir möchten Ihnen alles rund um die Bank ein wenig näherbringen. Runde Geburtstage der Mitarbeiter, Neueintritte und Pensionierungen aber auch bauliche Änderungen oder Erweiterungen finden Sie in diesem Bereich.
3) Veranstaltungen: Ankündigungen und Rückblicke von Veranstaltungen, die wir selber organisieren, werden hier zu sehen sein.
4) Neues: Hier berichten wir über neue Produkte und Dienstleistungen.
5) Interessantes aus dem Web: interessante Links und Kommentare zu Blogposts
Welche Chancen bietet Ihrer Meinung nach der Einsatz von Corporate Blogs für Ihr Unternehmen?
Raiffeisen ist eine Genossenschaftsbank. Von daher sind die Raiffeisenbanken eigentlich schon in ihrem Ursprung Web 2.0. In den Web 2.0 Medien wie z. B. dem Blog können wir dies auch nach außen tragen. Wir springen auf keinen Zug auf, wir waren schon immer in diesem Zug drinnen, auch wenn das vielleicht manchmal etwas vergessen worden ist. Der Kernsatz der Raiffeisenidee “Was dem einzelnen nicht möglich ist, vermögen viele!” ist eine pure Web 2.0 Aussage und aktueller denn je.
Was sind die Erfolgsfaktoren für Corporate Blogs?
Die Erfolgsfaktoren unseres Blogs ergeben sich aus der starken Berücksichtigung des Cluetrain Manifests. Das Blog ist für uns ein Kommunikations- und kein Vetriebskanal. Zusätzlich sind die durchgehende Personalisierung und das Bemühen um Authentizität in der Kommunikation zu nennen. Sicher hilft auch die Tatsache, dass wir die erste Bank in Österreich waren, die sich an ein Corporate Blog herangetraut hat.
Nennen Sie bitte drei österreichische Corporate Blogs, die Sie persönlich gerne besuchen?
- Blog von hüt.at
- anders denken von Hannes Treichl
- Zcope Blog
Danke für das Interview!
Link: Blog der Raffeisenbank Lustenau